Seit Anfang der Woche wird in Glasgow über Klimaziele diskutiert – und über die nötigen Maßnahmen gestritten. In Wahrheit müssen wir uns wohl so ziemlich alle Bereiche unseres Lebens und vor allem unseres Konsums anschauen. Dazu gehören zweifellos auch die digitalen Lifestyle-Produkte. Allen voran das Smartphone.

Denn das Smartphone ist alles andere als klimaneutral. Allein die Produktion eines Smartphones verursacht im Schnitt(!) 54 Kilogramm CO2-Äquivalent.

Aktuell werden weltweit jährlich rund 1,4 Milliarden Smartphones gekauft – und noch mehr hergestellt. Europäer nutzen ihre Geräte durchschnittlich 26 Monate lang.

Wir müssen mehr recyceln – fachkundig

Es macht einen erheblichen Unterschied, wie häufig wir unser Modell gegen ein Neues austauschen – und was wir denn mit dem „alten“ Modell machen. In der Schublade liegen lassen ist die denkbar schlechteste Alternative. Denn dann lagern wertvolle Rohstoffe in einer dunklen Ecke.

Leider machen das die meisten Menschen so. Lediglich 15 bis 20 Prozent der Geräte gehen ins Recycling. Der Rest lagert irgendwo oder wird entsorgt.

Das ist katastrophal, denn in einem Punkt sind sich alle einig: Die wertvollen Rohstoffe sollten idealerweise in einen vollständigen Wertstoff-Kreislauf gelangen.

Das wird natürlich nicht von heute auf morgen gelingen. Aber wir müssen loslegen.

Das Fairphone ist modular aufgebaut und lässt sich leicht reparieren

Fairphone gilt als Musterschüler

Eine Art Musterschüler in dieser Hinsicht ist Fairphone. Der kleine Smartphone-Hersteller aus den Niederlanden hat sich von Anfang an zum Ziel gesetzt, möglichst nachhaltige Geräte zu bauen. Die verwendeten Rohstoffe sollten idealerweise aus fairen Quellen kommen. Also fair bezahlte Mitarbeiter und möglichst umweltschonende Gewinnung der Ressourcen.

Wichtig aber auch: ein perfekter Recycling-Vorgang. Das kann heute noch nicht zuverlässig gelingen, sollte und muss aber das Ziel sein.

Das neue Fairphone 4, das seit einigen Tagen auf dem Markt ist, versucht, diese Ansprüche so gut es eben geht zu erfüllen. Für jedes neu verkaufte Geräte will der Hersteller ein Altgerät (auch anderer Hersteller) recyceln oder wieder aufbereiten. Außerdem lassen sich die Geräte mühelos von jedem selbst reparieren. Denn das Fairphone 4 ist modular aufgebaut. Das ist es kinderleicht, einzelne Komponenten auszutauschen. Es gibt Ersatzteile – garantiert für wenigstens fünf Jahre.

Daisy kann 200 iPhones pro Stunde zerlegen

Wenn Roboter alte Geräte zerlegen

Das ist bislang einzigartig in der Branche. Doch die EU-Kommission will genau so etwas in Zukunft vorschreiben: Elektrogeräte müssen fünf Jahre repariert werden können, es muss Updates geben, und die Hersteller müssen recyceln.

Ein anderer Hersteller, der bei dem Thema erkennbar investiert, ist Apple. Das Unternehmen verzichtet zunehmend auf Plastik, nimmt Altergeräte zurück, möbelt sie wieder auf, wenn das geht, und recycelt sie, wenn es nicht geht. Viele Rohstoffe der neuesten iPhones stammen zu großen Teilen aus dem Recycling. Und mit „Daisy“ hat Apple einen Roboter, der vollautomatisch 200 Geräte pro Stunde zerlegen kann.

Das sind schöne Beispiele. Es braucht dringend einen Wettbewerb um die besten Ideen in Sachen Nachhaltigkeit – nicht immer eine noch bessere Kamera, die am Ende sowieso längst nicht alle nutzen können.