Facebook will das Spaß-Netzwerk sein, das gute Laune verbreitet – und Menschen miteinander verbindet. Keine Frage: Facebook, Instagram und WhatsApp können das – aber eben nicht nur. Offensichtlich sogar immer weniger.

Wie immer deutlicher wird, zahlen wir alle einen hohen Preis dafür, dass Facebook „kostenlos“ ist. Denn ein Konzern, der einzig und allein der Gewinnmaximierung verpflichtet ist, hat eben entschieden andere Interessen im Fokus als das Gemeinwohl.

Dafür sind nun weitere Belege aufgetaucht: Wie gleich mehrere US-Medien am Wochenende unter Berufung auf interne Dokumente berichten, hat es in Indien in jüngster Vergangenheit einen fatalen Zusammenhang zwischen Gewaltaufrufen und Gewalt gegeben. Der Vorwurf: Facebook habe es trotz alarmierender Hinweise eigener (!) Analysten versäumt, Falschinformationen und Hassnachrichten auf den indischen Plattformen einzudämmen.

Außerdem sei man sich bei Facebook bewusst gewesen, dass die schwache Moderation der Plattformen anfällig für Missbrauch ist.

Schnell kann sich Wut gegen eine Person oder Personengruppe richten

Frances Haugen sagt im britischen Parlament aus

Harter Tobak! Heute (25.10.2021) ist die Ex-Facebook-Mitarbeiterin Frances im britischen Parlament aufgetreten. Währenddessen erweitert das „Wall Street Journal“ (WSJ) seine Berichterstattung – und es wird immer schlimmer. Mittlerweile hat auch ein europäisches Medienkonsortium, darunter SZ, NDR und WDR, die vorliegenden Dokumente ausgewertet.

Danach weiß Facebook nur zu gut, welche fatalen Konsequenzen seine Algorithmen haben können. Die Algorithmen präsentieren auch harmlosen Menschen besorgniserregende Inhalte – und die KI hat die Sache mit der Abwehr von Hass und Hetze nicht im Griff. All das weiß Facebook – unternimmt aber nicht genug dagegen. Revenue first. Nichts ist wichtiger als Umsatz. Im Zweifel habe sich Facebook immer für den Umsatz entschieden, lautet der Vorwurf von Frances Haugen.

Besonders schlimm ist es außerhalb der USA, sagen die Studien – denn dort kommen weniger „Moderatoren“ zum Einsatz.  Problematisch sind demnach insbesondere Inhalte in arabischer Sprache.

Frances Haugen sagt vor dem britischen Parlament aus

Hat Facebook indirekt religiöse Konflikte angefacht?

Aber nicht nur da: In den Monaten nach Dezember 2019 erschütterten religiöse Proteste Indien. Laut Wall Street Journal sind Hass und Hetze in Facebooks Netzwerken regelrecht explodiert. Besonders auf WhatsApp. Bei gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Hindus und Muslimen in Indien sind viele Menschen gestorben.

Ein Zusammenhang zwischen den Gewaltaufrufen auf den Plattformen und der tatsächlichen Gewalt lässt sich unmöglich leugnen.

Was in Indien passiert ist, kann überall passieren. Facebook begünstigt Konflikte, dämmt sie nicht ein, sondern profitiert davon – wirtschaftlich.

Trotzdem versucht Mark Zuckerberg immer wieder, alle Probleme wegzulächeln und zu ignorieren. Das ist unverantwortlich.

Facebook wiegelt weiter ab

Facebook widerspricht dem Eindruck zwar und weist darauf hin, die Anzahl von Hassreden sei seit „drei Quartalen in Folge zurückgegangen“. Das mag durchaus sein. Aber die zentrale Frage lautet doch: Reicht das? Lässt sich das Problem überhaupt mithilfe von KI und „Moderatoren“ auf den Plattformen in den Griff bekommen?

Und vor allem müssen wir uns fragen: Wollen wir auf Dauer auf einem Pulverfass sitzen?